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Jemand sagte: „Offenbar wussten alle Bescheid in der Branche und nun behaupten sie, sie hätten nichts gewusst. Wie kann sowas passieren? Wieso haben all diese Frauen nicht früher was gesagt?“

Trigger Warning: Sexualisierte Gewalt

Ich weiß gar nicht, was ich als erstes zu diesem Thema anbringen soll. Ich war ja genau da, in dieser Situation. Was heißt „war“: ich BIN. Ich gehe inzwischen mit diesem Thema wahnsinnig offen um. Am Anfang war da die Scham. Wieso bin ich so lang geblieben? Wieso hab ich das alles mitgemacht? Ich hab doch gesehen, was da passiert, irgendwo ist es doch meine eigene Verantwortung, ich bin einfach dumm. Das glaubt mir doch kein Mensch. Ich glaube es ja selbst kaum.
Aber zu schweigen war keine Option, es ging mir so schlecht. Nachdem ich also anfing darüber zu reden, war ich geschockt. Jede einzelne meiner Freundinnen hat mir sofort ungefragt und uneingeschränkt geglaubt. Denn sie alle hatten vergleichbares oder auch schlimmeres erlebt. Und bis heute, egal an wen ich heran trete, die Reaktionen sind gleich: Männer sind geschockt. Frauen verständnisvoll.

Wieso sie nicht früher was gesagt haben? Nun, haben sie doch. Aber im Endeffekt ist es doch so, wenn es dich selbst nicht betrifft und wenn du selbst keine Einbußen hast – und stattdessen Einbußen hättest, wenn du aufstehen und etwas sagen würdest – dann hältst du doch brav den Mund. Oder? Was würdest du tun? Deine Karriere aufs Spiel stellen, weil dir irgendwer gesagt hat, dass der Obermacker sie belästigt hat?

Als Opfer weiß man das auch. Als Opfer redet man sich ein, man könne kaum erwarten, dass jemand deinen Krieg kämpft. Als Opfer denkt man, wenn man still hält, dann ist es schneller vorbei. Und was anderes will man gar nicht: Es soll einfach nur aufhören, bitte, alles soll so sein, wie es vorher war, mach, dass es aufhört.

Nur, um das klar zu stellen, ich rede hier von Vergewaltigung, von Gewalt an Frauen, von der systematischen und vollkommenen psychischen Zerstörung eines anderen Menschen. Denn #metoo umfasst natürlich so viel mehr. #metoo ist auch dearcatcallers oder byefelipe, es ist unterschiedliche Gehälter und „Komplimente“, angegrabscht werden im Club oder die männlichen Kollegen, die sich über das Aussehen der weiblichen potentiellen Models für einen Shoot lustig machen. Ihr erlebt die geschlechtliche Ungleichheit jeden Tag.

Was kann man tun? In Anbetracht dessen, dass Frauen schon so ziemlich alle Register für die Gleichheit ziehen, würde ich behaupten, dass es an der Zeit ist, dass die Männer über ihren Tellerrand schauen. Ich habe das Glück in meinem Privatleben von feministischen Männern umgeben zu sein. Naja, genau genommen würde ich mich mit niemandem anfreunden, der denkt, Frauen seien weniger wert als Männer. Denn das IST Feminismus: Gleichheit. Falls du die Geschlechter gleich behandelst: Herzlichen Glückwunsch, du bist ein Feminist.
Zurück zum Thema, Männer, Tellerrand: Sexismus geht von euch aus. Nur ihr könnt das ändern. Tut was.

#metoo

Foto Fabz Black Photography
Meine Posts zum Thema Gewalt findet ihr hier.

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