Und dann?

Hilfe

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A narcissist will always have someone to accuse of ruining their life.
It is invariably the same person the narcissist is trying to destroy.

Beziehung vorbei = Ruhe. Klingt logisch. Ist aber nicht so. Man verlässt einen Narzissten nicht. Ein Narzisst ist perfekt von allen Seiten, ein wandelndes Wunder, eine lebende Legende. Da ist es ganz natürlich, dass die Beendigung einer Beziehung nicht akzeptiert wird. Was denk ich denn, wer ich bin? Ich sollte mich geehrt fühlen, dass der gottgleiche Narzisst mich unwürdigen Wurm auserwählt hat.
Ich wünschte wieder mal, ich würde übertreiben, aber in der Tat stecken im vorherigen Absatz einige Zitate aus des Narzissten Mund.

Was passiert also, wenn man trotzdem geht? Ich dachte, ich sei sicher. Hier die Bilanz: Ich blockte beide Handynummern auf meinem Handy und bei WhatsApp. Ich blockte 2 Facebook-Profile, ein Tinder- und ein OkCupid-Profil, einen Instagram- und einen Snapchat-Account. Man könnte meinen, das sei eindeutig, aber für einen Narzissten ist es das nicht.
Zuerst folgten Catfishing-Profile (Profile, auf deinen man sich als andere Person ausgibt um sich das Vertrauen einer Person zu erschleichen), ab und an eine direkte Mail an mich mit mehr oder weniger sehr beleidigenden Inhalt sowie immer wieder Drohungen über Dritte in meine Richtung. Es gibt Fake-Instagram-Accounts, es gibt mindestens 4 oder 5 Fake-Snapchats, extra für mich gemacht.
Dazu der Versuch, im Club direkt mit mir zu reden, meinen Freunden zu drohen und dann andere Leute dazu bringen, mir Nachrichten zu schreiben. Am Ende stand sein Handlanger vor meiner Tür. Was er wollte: Keine Ahnung.
Ist das Stalking? Ja.
Was hat die Polizei getan? Nichts.
Was hat das Amtsgericht getan? Nichts.
Hilfe suchen beim Weißen Ring? „Naja, normalerweise haben wir es mit Opfern von richtigen Straftaten zu tun.“

Lieber Mensch, der du dies liest und vielleicht Hilfe brauchst: Es gilt erst als Stalking, wenn du dem Täter beweisbar mitgeteilt hast dass du nie wieder Kontakt willst. Ich musste also eine letzte Nachricht verfassen. Bei WhatsApp gibt es praktischerweise eine Ankunftsbestätigung.

Wo ich am Ende Hilfe bekam? Bei meinen Freunden. Ohne zwei besonders bemerkenswerten Individuen würde ich wahrscheinlich in einer Ecke sitzen und meinen Kopf gegen die Wand schlagen. Die beiden haben mir Links rausgesucht, haben Anrufe für mich gemacht, sind mit mir zu Hilfeeinrichtungen und haben dafür gesorgt, dass ich nicht allein bin.

Was kannst du also tun um dich zu schützen?
In einem akuten Fall rufe bitte die Polizei. Mit akut meine ich, dass dir Menschen auflauern, der Täter vor deiner Tür steht, es konkrete Drohungen gibt. Habe keine Hemmungen und keine Angst. Wenn du dich direkt bedroht fühlst, muss die Polizei dir helfen. In meinem Fall haben die Polizisten dem Täter eine offizielle Verwarnung am Telefon ausgesprochen. Seitdem ist zumindest direkt Ruhe (aber es gibt ja wie oben aufgelistet auch genügend andere Wege, mir doch immer wieder zuzusetzen).
Wenn du dich in einer gewaltvollen Beziehung befindest (und hierbei ist es egal, ob physisch oder psychisch gewaltätig), dann höre auf deine Freunde. Ist dein Partner die Art von Partner, die du deiner besten Freundin wünschen würdest? Nein? Wieso denkst du dann, dass du das eher verdient hast? Höre auf deine Freunde und lass dir helfen.
Dein Partner hat dich schon so sehr isoliert, dass du keine Freunde mehr hast, an die du dich wenden kannst? Es gibt trotzdem sehr viel Hilfe-Angebote. Es gibt Frauenhäuser, es gibt Frauengruppen. Ich war bei Wildwasser im Nachtcafé, dort wurde ich wunderbar aufgefangen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Protokoll. Führe Protokoll über das, was geschieht. Am besten schreibst du da auch direkt rein, wann du welche Briefe (z.B. von der Polizei oder vom Amtsgericht) bekommst und wann du welche Termine wahr nimmst. Bei wichtigen Terminen habe ich immer noch direkt dazu geschrieben, was gesagt wurde. Man verliert sehr leicht den Überblick bei all dem bürokratischen Wahnsinn und man steht ja auch sowieso wegen anderen Dingen unter Stress.
Das Protokoll ist eigentlich dazu gedacht, festzuhalten, wann der Täter dir was angetan hat. Weil ich nicht wusste, wo ich anfangen sollte, habe ich die komplette Beziehung protokolliert. Dazu habe ich jeglichen schriftlichen Kontakt durchforstet. Das war wahnsinnig schmerzhaft. ER hat mit Offensichtlichkeiten um sich geworfen, die ich alle ignoriert habe. Es fällt schon schwer, nicht an der eigenen Intelligenz zu zweifeln, wenn man die Beweislage später durchsucht. Ein Gutes hatte es. ER hatte auch schon in der Vergangenheit Textnachrichten von fragwürdigem Inhalt von sich gegeben. Nachrichten, indem er zugab, Frauen bedroht zu haben; fantastische Monologe über sein Selbstbild. Wenn ich das alles gesammelt aufschreiben würde, könnte ich ein ekelerregendes, aber faszinierendes Buch damit schreiben. Stellt euch vor, ihr seid der großartigste Mensch der Welt. Der Schönste, Klügste, Gerissenste, Interessanteste. Ihr seid besser, als alle anderen, Mensch 2.0, GOTT quasi. Und alle um euch herum sind einfach zu dämlich, eure Großartigkeit zu begreifen. Das ist sehr frustrierend. Deswegen müsst ihr den anderen mitteilen, wie verdammt geil ihr seid, wie einzigartig feingliederig euer Hirn tickt, wie ihr Dinge wahr nehmt, die sonst niemand bemerkt und sie zu eurem Vorteil nutzt. Das muss man den Deppen da draußen sagen, sonst sehen die das ja einfach nicht. Und überhaupt: Nie bekommt man als Narzisst die Bewunderung, die Aufmerksamkeit, den RESPEKT, den man verdammt nochmal verdient hat! „Siehst du, wie gefährlich ich bin? Sei lieber nett zu mir.“
Verzeiht diesen kleinen Exkurs.

Wo ich im Endeffekt mich am richtig Ort fühlte, war die kostenfreie Anwaltsberatung bei LARA. Der Weg dorthin war schwer. Ich hatte große Zweifel: Mir ging es gut (abgesehen von Panikattacken und dem, was durch die jahrelange Manipulation jetzt in meinem Kopf drin ist), ich war nicht grün und blau geschlagen worden, ich habe einen Job, Freunde und Familie, eigentlich hatte ich „nichts“ weiter. Es half nicht, dass ich bei einigen Anlaufstellen mit Unverständnis behandelt wurde. Die Polizei wollte mich noch im Foyer wieder nach Hause schicken und hat mich danach behandelt, als wäre ich eine verletzte Ex, die sich an ihrem betrügenden Partner rächen will. Das Amtsgericht hat meinen Antrag auf einstweilige Verfügung abgelegt, da kein Stalking erkennbar sei. Sogar die für mich zuständige Sachbearbeiterin vom Weißen Ring wusste nichts mit mir anzufangen.
Bei LARA fand ich jedoch eine wunderbare Anwältin, die sofort alle Aspekte verstand, ohne dass ich sie auch nur erwähnen musste. Sie begleitete mich durch den Polizei-Murks und half, meine Gedanken so zu sortieren, damit ich eine Entscheidung für das weitere Vorgehen für mich treffen konnte. Ich entschied mich, Anzeige wegen Stalking zu erstatten. Die Anzeige wird fallen gelassen werden (, denn wie schon das Amtsgericht sagte, es ist ja kein Stalking erkennbar), aber es ging mir darum, dass er bei der Polizei verzeichnet ist. Ich bin mindestens die 7. Frau, mit der er das macht, und ich werde nicht die letzte sein. Wenn eine seiner zukünftigen Partnerinnen sich entscheidet, sich zu wehren, liegt ein Eintrag vor und dabei ist es egal, ob die Anzeige fallen gelassen wurde oder nicht. Mir gilt es, ein Zeichen zu setzen. Du bist nicht allein. Und ich werde dir helfen, wenn du das möchtest.

Also noch mal eine kleine Liste, wie du dir helfen kannst:
– Rufe bei akuter Bedrohung die Polizei.
– Führe Protokoll.
– Sprich deine Freunde an. Sie werden dich unterstützen und dir helfen.
– Suche dir einen Anwalt, dem du vertraust und lasse dich in der kompletten Lage beraten.
– Belese dich. Es ist so wichtig zu sehen, dass man nicht alleine ist.
– Verstehe, was dir passiert ist und verstehe, warum du es mit dir hast machen lassen. Dann kann dir das nie wieder passieren.

Dies war der zweite Teil..

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2 Gedanken zu “Und dann?

  1. vielen dank!
    wahrscheinlich kann ich stolz sein, du hast recht. es fühlt sich noch nicht so an und es ist schwer, das ganze so in worte zu fassen, dass andere verstehen, wie schlimm das alles ist. gleichzeitig möchte ich auch nicht zu viele konkrete beispiele bringen (der narzisst stalkt natürlich auch diesen blog). aber ich will nicht schweigen. schweigen hilft mir nicht, es macht mich sprach- und machtlos.

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